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Der Wohnungsbau der letzten Jahre hat ohne Zweifel einen hohen
Qualitätsstandard erreicht. Niemand wird mehr den Schallschutz und
die Wärmedämmung missen wollen, Dusche, Bad und Zentralheizung
sind selbstverständlich geworden, der Bedarf an Wohnfläche pro
Person wurde auch immer größer. Dies alles führt natürlich zu
entsprechenden Kosten.
Um aber Eigenheime erschwinglich zu halten, ohne die gewohnten
Standards aufzugeben, kommt es darauf an, durch überlegte Planung
die Kosten zu senken. Denn kostengünstiger Wohnungsbau kann nicht
darin bestehen, Rolläden wegzulassen oder eine Brause statt einer
Badewanne einzubauen. Erforderlich ist vielmehr überdurchschnittliches
Engagement von Bauherr und Architekt und die Bereitschaft, vom
Gewohnten und von eingefahrenen Wegen abzuweichen.
Der Mut zu unkonventionellen Lösungen kann viel Geld sparen. Das
kann bei der Wahl der Materialien oder der Art der Konstruktion
sein; oder bei der Anordnung der Räume, deren Größe und
Ausstattung; oder bei der Gebäudeform. Hierzu ist jedoch zusätzliche
Denk- und Planungsarbeit bei der Wahl des Grundstücks und der
optimalen Grundrißgestaltung erforderlich. Allerdings können nur
Erfolge erzielt werden, wenn Bauherr und Architekt eine gemeinsame
Wellenlänge haben, wenn die über Jahre gewachsenen
Idealvorstellungen vom Traumhaus flexibel neuen Ideen im gemeinsamen
Planungsprozeß angepaßt werden können.
Doch wie baut man Häuser preisgünstig?
Preisgünstiges Bauen fängt beim Grundstückskauf an. Den
Grundstückswert bestimmen städtische oder ländliche Wohnlage,
Anschluß an öffentliche Nahverkehrsmittel, baurechtliche Auflagen.
Gerade baurechtliche Auflagen können Einsparmöglichkeiten während
der Bauphase verhindern. Dies ist der Fall, wenn Materialien,
Dachneigung und bauliche Nutzung bis ins Detail vorgeschrieben sind.
Daher gilt es, schon vor dem Kauf mit dem Architekten
zusammenzuarbeiten, um bei späteren Verhandlungen mit den Baubehörden
stichhaltige Argumente für kostenbewußte Bauentscheidungen parat
zu haben.
Weitere Überlegungen machen sich ebenfalls bezahlt: Ist die Größe
des Baugrundstücks flächendeckend bebaubar oder wird wertvoller
Boden verschenkt? Ist der Drang zu einem freistehenden
Einfamilienhaus wirklich so stark, daß weitere Kredite aufgenommen
werden müssen? Oder ist eine flächensparende und umweltschonende
Doppelhaushälfte sinnvoller? Es sinken die anteiligen Erschließungskosten
für Elektrizität sowie Be- und Entwässerung. Auch ein Reihenhaus
läßt sich kostengünstig hochwertig gestalten. Neben geringeren
Baukosten für Außenwände zum Nachbarn sinken die Betriebskosten
durch geringere Energieverluste. Für die Erstellung mehrerer Häuser
können Kostenvorteile mit Bauunternehmen ausgehandelt werden.
Wenn sich die Wohnfläche verringert, wird der umbaute Raum
kleiner und die Baukosten niedriger. Kleiner bauen heißt aber auch,
die Wohnfläche und die Räume voll auszunutzen durch optimale
Anordnung der Räume und Verkürzung der Verbindungswege. Wohnräume
wirken großzügiger und lassen sich oftmals besser und flexibler
nutzen, wenn sie offen miteinander verbunden sind. Dadurch wird der
Trennwandanteil an der Wohnfläche reduziert, was zu Einsparungen führen
kann. Aber auch die Verkleinerung des Treppenhauses und die optimale
Ausnutzung der Dachreserven machen sich bezahlt. Werden funktionell
zusammengehörige Räume wie Küche und Eßzimmer zu einer Wohnküche
zusammengelegt, können bis zu 30 % der Fläche eingespart werden.
Ein einfaches, jedoch gut gegliedertes Haus sieht immer gut aus. So
kann man mit einer Holzschalung meist eine Wand besser gliedern, als
mit einem teuer erkauften Wandvorsprung. Dachgaupen sind schön,
wenn sie zum Haus passen, manchmal wäre es aber aus gestalterischen
Gründen besser, wenn die billigeren Dachflächenfenster verwendet würden.
Oder wenn ein Garten vorhanden ist, kann statt eines Balkons ein
französisches Fenster gesetzt und somit einige Tausend Mark gespart
werden. Zwei dieser Fenster nebeneinander gesetzt, lassen aus dem
Zimmer eine Loggia entstehen, jedoch wesentlich billiger. Aber auch
vorgefertigte Bauteile im Decken-, Treppen-, Installations- und
Dachbereich sind häufig kostengünstiger und sollten bei der Ausführung
eingeplant werden.
Niedrige Baukosten ergeben sich, wenn verschiedene Ausbaustufen oder
Bauabschnitte miteinkalkuliert werden. Das Prinzip: zunächst wird
nur das Notwendige erbaut, die Planung aber so vorgenommen, daß zu
einem späteren Zeitpunkt die gewünschten Erweiterungen hinzukommen
können. In der Planung des wachsenden Hauses sind die wesentlichen
Bauteile schon für die weiteren Anbauten vorhanden. Bei dem
Ausbau-Haus werden Schritt für Schritt Teile des Gebäudes wie
Dachgeschoß oder Untergeschoß ausgebaut. Und beim Nachrüst-Haus
werden für die Erstausstattung nur einfachste Mittel verwendet, später
kann die Ausstattung auf den gewünschten Standard gebracht werden.
Bereits bei der Entwurfsplanung werden die Weichen für die
Konstruktion gestellt. Legt man die kleineren Räume mit ihren
vielen Trennwänden in die unteren Geschosse, kann die Last der darüberliegenden
Stockwerke auf diesen Wänden ruhen. Statische Kniffe wie Ober- und
Unterzüge entfallen und Lasten werden nicht unnötig spazierengeführt.
Was auf die Statik zutrifft, gilt auch für die Haustechnik. Eine
vom Architekten koordinierte fachplanerische Dimensionierung ist
unerläßlich. So werden überflüssige Leitungswege und Durchbrüche
im Haus eingespart, wenn Küche, Bad und WC im Grundriß neben- oder
übereinander und möglichst nahe der öffentlichen Versorgung
angeordnet sind. Ein richtig ermittelter Wärmebedarf verhindert die
meist zu bulligen Heizanlagen. Optimale Heiz- und Lüftungssysteme
ergeben kleinere Heizflächen und verringern somit
Investitionskosten beim Bauen und Betriebskosten bei der späteren
Nutzung.
Mit dem Bauprozeß selbst beginnt ein Vorgang, der nur mit hohen
Kosten rückgängig gemacht werden kann. Ist zum Beispiel der Keller
erst einmal ausgeschachtet, dann bewirkt ein nachträglicher
Verzicht aus Gründen der Kostendämpfung genau das Gegenteil.
Gleiches trifft zu, wenn während der Bauausführung Balkone durch
französische Fenster ersetzt werden.
Daher gilt es, vorher eine sorgfältige Planung mit dem Architekten
aufzustellen. Beim Bauen nimmt der Architekt die Interessen des
Bauherrn wahr, berät ihn unabhängig bei der Auftragsvergabe,
koordiniert und überwacht sämtliche Arbeiten am Bau und sorgt mit
einer stimmigen Planung für einen reibungslosen Ablauf.
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